Schreiben auf Zeit

Das Schreiben auf Zeit ist die wohl größte Herausforderung für jeden Autor. In einer Schreibgruppe lernt man, auf Knopfdruck kreativ zu sein. Doch damit das gelingen kann, braucht man wie im Sport eine Aufwärmphase.

1) Einschreiben – Den Alltag von der Seele schreiben

Wir beginnen unseren Schreibabend damit, den Alltag loszulassen, indem wir ohne Pause aufschreiben, was uns gerade einfällt. Damit niemand gleich den Anfang eines neuen Romans verfasst und noch genug Schreibabend übrig bleibt, haben wir die Zeit von ursprünglich empfohlenen 10 Minuten auf 8 Minuten reduziert.

Sinn dieser Übung ist nicht nur, die Gedanken von der gestressten Parkplatzsuche, dem Terminkalender o.ä. zu befreien, sondern auch zu lernen, Papier zu füllen ohne irgendwelche Vorgaben.
Wer nicht schreiben mag, zeichnet z.B. mit der linken Hand (wenn die Schreibhand rechts ist), um die rechte Gehirnhälfte anzuregen, die für das bildhafte Denken und somit für unsere Kreativität verantwortlich ist.

Dauer: 8-10 min.
Inhalt: freies Schreiben ohne Vorlesen

2) Die Schreibübung – Gewohnte Pfade verlassen, um Neues zu entdecken

In Anschluss an das Einschreiben folgt eine Schreibübung. In 10-20 Minuten schreiben wir zu einem besonderen Thema, das im Wechsel von In einer Schreibgruppe lernt man das Schreiben auf Zeit.einem unserer Gruppenmitglieder vorbereitet wird. Als Quelle nutzen wir hierzu häufig das Internet, aber auch Fachbücher oder wir denken uns spontan eine passende Übung aus. Einige unserer Übungen werden wir auch hier in unserem Blog vorstellen!
Ziel der Übung ist es, uns von unseren eingefahrenen Stilgleisen ins Weite zu locken, z.B. von der Prosa in den Dialog, ins Drama, von bevorzugter Naturbeschreibung in das städtische Milieu.

Es geht nicht darum, auf Knopfdruck genial zu sein, sondern neue Denk- oder Betrachtungsweisen auszuprobieren und die eigene Kreativität zu beleben. Gerade Anfängern fallen diese Übungen in der Regel besonders leicht, weil sie Neuem aufgeschlossen gegenüberstehen. Sie sind so manches mal deutlich kreativer als die alten Hasen und können so gleich zu Beginn entsprechende Erfolgserlebnisse verbuchen.
Damit jeder die Erfahrungen der anderen teilen kann, lesen wir diese Übungen laut vor und üben anschließend kurze, konstruktive Kritik.

Dauer: 10 – 20 Minuten
Inhalt: Schreibübung zum Ausprobieren neuer Techniken mit anschließendem Vorlesen

3) Die Schreibeinheit – Abtauchen in die eigene Schreibwelt

In der größten Schreibeinheit des Abends, sie dauert 20-30 Minuten, arbeiten wir an unseren eigenen Texten. In der Regel gibt es ein übergeordnetes Thema, zu dem jeder an seiner Kurzgeschichte weiterschreibt.

Je mehr man sich in einer Gruppe vertraut, desto einfacher fällt es, weiterzuschreiben. Denn eines ist ganz klar, in zwanzig Minuten bleibt wenig Zeit, das Geschriebene zu überarbeiten. Das mag für Perfektionisten ein Albtraum sein, aber es übt, sich auf den Text zu konzentrieren, vielleicht auch manche Abschnitte einfacher zu gestalten und sich nicht nur an einem Satz aufzuhalten, denn am Ende dieser Schreibeinheit wird nach einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Handlung wieder vorgelesen.

Selbst nach Jahren ist das Vorlesen des eigenen Textes mit der spannendste Teil des Abends. Ein kurzer Blick in die Gesichter der ZuhörerInnen genügt, um zu erfahren, ob es mir gelungen ist, die anderen mitzureißen oder ob ich zu sehr an Formulierungen gearbeitet habe, die vorgelesen plötzlich nicht mehr so genial klingen, wie gedacht.
Oft bin ich aber auch überrascht, dass meine ZuhörerInnen zwar schon die eine oder andere Kleinigkeit finden, jedoch lange nicht so kritisch sind, wie ich es bin.

Dauer: 20 – 30 Minuten
Inhalt: Schreiben an einem eigenen Text mit anschließendem Vorlesen

Übung macht den Meister, das gilt auch für das Schreiben

Im Alltag finden sich immer ein paar Minuten oder auch freie Nachmittage, in denen man Schreiben kann, aber leider auch genug andere Ablenkungen. In der Schreibgruppe habe ich nicht nur gelernt, wie ich mich strukturiert auf meine ganz persönliche Schreibeinheit vorbereite, sondern lerne mit und von den anderen TeilnehmerInnen. Das Schreiben ist somit nicht nur Wunschdenken, sondern ein fester Bestandteil meines Alltags.

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2 Gedanken zu “Schreiben auf Zeit

  1. Eure Beiträge klingen sehr gut. Allerdings habe ich noch nie eine Zeile mit dem Gedanken aufs Papier gebracht, andere könnten das lesen. Dann geht nämlich gar nichts mehr. Dadurch weiß ich auch nicht, ob ich überhaupt Talent hätte. Habt ihr da irgendwelche Tipps?

    1. Liebe Gesa,
      in erster Linie solltest du für dich schreiben! Schreiben sollte dir Spaß bringen! Welche Themen liegen dir? Probier dich aus! Blende deinen möglichen Leser und auch deinen inneren Lektor aus. Schreibe erst einmal nur so, wie es aus dir herauskommt. Du darfst sogar ohne Punkt und Komma schreiben, Hauptsache du bringst zu Papier, was dich bewegt oder du erzählen möchtest. Anschließend lass deinen Text ein paar Tage liegen und sei dein erster Leser. Vielleicht fällt dir gleich auf, was dich im Lesefluss stört. Benutzt du z.B. immer die gleichen Wörter, versuche andere zu finden. Kürze Sätze oder feile an Dialogen.
      Und mit dem Talent ist das so eine Sache. Die Wenigsten sind von Anfang an genial, die meisten müssen sich ihr “Talent” erarbeiten. Ob Segeln, Sticken, Schreinern oder Programme schreiben, kaum einer kann das von Anfang an perfekt. Übung, Ausdauer, Leidenschaft, Kritikfähigkeit gehört zu allem dazu, auch zum Schreiben. Es klingt vielleicht banal, aber Schreiben kann man lernen. Wenn du mit deinen Texten nicht zufrieden bist und sie werden nicht so, wie du dir es vorstellst, suche dir professionellen Rat. Es gibt inzwischen tolle Kurse, Ratgeber und auch eine Schreibgruppe ist zum Starten nicht verkehrt. Sollte eine Kritik nicht so ausfallen, wie du es dir wünscht, lass dich davon nicht gleich abschrecken. Arbeite damit, versuche herauszufinden, ob sie berechtigt ist und ob du den oder die Punkte verbessern kannst. Lese spezielle Punkte nach, vertiefe dein Schreibwissen. Allein mit den Werkzeugen, die du in der Schule gelernt hast, wirst du nicht auskommen.
      Ich weiß, wie schwer es ist, die ersten Texte in die Welt hinaus zu schicken. Irgendwann gibt es leider nur den Weg, um festzustellen, ob sich das Feilen, Lernen und Üben gelohnt hat. Aber wenn du vorher an dir als Autor und deinem Schreibwissen gearbeitet hast, dann hast du auch das Selbstbewusstsein zu sagen ” du hast recht” oder “ich sehe das anders”. Lies mal nach, wie oft manche Profi-Autoren ihre ersten Bücher überarbeitet haben, ehe sie damit erfolgreich geworden sind!
      Danke für dein Lob! Das war mein zweiter Blogbeitrag, den du kommentiert hast. Kurz vorher hat mir jemand gesagt, ich soll das lieber sein lassen – ich hätte kein Talent dazu 😉 Heute würde ich den Beitrag wahrscheinlich anders schreiben, aber auch das gehört dazu, schreibend zu wachsen. Ich wünsch dir viel Erfolg und vor allem viel Spaß beim Schreiben 🙂 Gib nicht auf, wenn es das ist, was du möchtest!

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