Musik für dein Kopfkino

Manchmal ist es verdammt schwer, den Schalter von „Alltag“ auf „Schreiben“ umzulegen. Doch es gibt Tricks, wie du als Hobby- oder Vielschreiber schnell in den Schreibprozess einsteigen kannst – einer davon ist Musik zum Schreiben.

Die Hürde des Schreibeinstiegs

Oft wird der „richtige Moment“ zum Schreiben durch den Alltag gestört. Du wirst abgelenkt, aufgehalten, die euphorische Stimmung, die dich eben noch durchflutet hat, löst sich in Luft auf.

Als Vielschreiber kannst du es dir nicht leisten, auf die nächste Motivationswelle zu warten. Dir hilft die Routine, dich einem neuen Schreibabschnitt zu nähern. Ob es Tee- oder Kaffeekochen, das Bereitstellen von «Schreib-»Keksen oder schlicht der Gang an deinen Schreib-Arbeitsplatz ist, all das leitet dein Schreiben ein.
Schritt für Schritt entfernst du dich vom Alltag, bereitest dich gedanklich auf die vor dir liegenden Seiten vor. Trotzdem fehlt der letzte Funke, um die Handlung an der gewünschten Stelle fortzuführen.

Als Gelegenheitsschreiber kann der Berg, der vor dir liegenden Seiten, den Einstieg blockieren. Wo sollst du anfangen? Mit welcher Szene geht es weiter? In welcher Schreibstimmung bist du? Soll heute der romantische Part drankommen oder brauchst du Action, um dich abzureagieren?
Bilder verschwinden, sobald sie vor deinem inneren Auge entstehen. Neue tauchen auf. Das Ideenkarusell dreht sich zu schnell, um aufzuspringen.

Wie kannst du den Faden aufnehmen, wenn sich der Alltag, die Ängste oder der Druck nicht ausblenden lassen? Mit deinem ganz persönlichen Soundtrack für dein Schreibprojekt.

Trenne deine Schreibmusik vom Alltag wie den Autor von der Privatperson |  Schreibgruppe Federreiter
Wenn du einen Lieblingssong oder Künstler hast, der dich beim Schreiben begleitet, wird er dadurch Teil deines Schreibrituals. Ihn während des Alltags zu spielen kann kreative Nebenwirkungen haben 😉

Der Klang deiner Story

Hast du schon einmal den Ton eines Films ausgestellt, um z.B. ungestört zu telefonieren? Dann wirst du sicherlich bemerkt haben, wie die flimmernden Bilder ihre Wirkung verlieren und du dich vom Geschehen auf der Mattscheibe entfernst. Filmmusik unterstützt nicht nur die Handlung, sie transportiert Emotionen und verleiht den Bildern mehr Tiefe.

Ein paar Takte Filmmusik und du erinnerst dich an die Schlüsselszene von Filmen wie Titanic, Dirty Dancing oder Heer der Ringe. Diese Eigenschaft von Musik kannst du für dein Schreiben nutzen.

Gestalte dir deinen eigenen Soundtrack, der zu deiner Story oder auch zu bestimmten Charakteren passt, um dir den Einstieg in dein Schreibprojekt zu erleichtern.

Musik zum Schreiben – ganz ohne Nebenwirkungen?

Doch bevor du dich begeistert auf die Suche nach dem Allheilmittel Musik machst, sie hat Vorteile, aber manchmal sogar Nachteile, die du berücksichtigen solltest:

Vorteile beim Schreiben mit Musik / Filmmusik

  • einfaches Mittel, um in die richtige Stimmung zu kommen
  • inspirierend
  • erleichtert dir den Zugang zu Erinnerungen
  • schafft Atmosphäre (z.B. Musik der entsprechenden Epoche)
  • regt die Kreativität an
  • fördert die Konzentration (Stichwort Alphawellen)
  • ein Song für einen Charakter erleichtert das Reinkommen (Routine)

Nachteile beim Schreiben mit Musik / Filmmusik

  • Manche Musikstücke sind „belegt“ wie z.B. die Harry Potter Musik (du denkst automatisch an den Film, die Helden etc.)
  • vor allem Filmmusik ist sehr stark dem Filmschnitt angepasst und wechselt schnell die Stimmung
  • Musik mit Gesang wirkt oft ablenkend
  • Das richtige Musikstück zu finden kostet Zeit, die dir zum Schreiben fehlt
  • polarisierend (du bewegst dich auf einer Gefühlsebene = Eisenbahngefühl)
  • viele Musikstücke sind sehr kurz, zum Schreiben brauchst du aber deutlich mehr Zeit
  • nur bedingt zum Überarbeiten zu gebrauchen
Welches Bild du zu welchem Song hörst, hängt nicht nur von der Klangfarbe der Musik ab, sondern vor allem von deinen Erfahrungen, Erinnerungen, Wünschen und Träumen.

Wie kannst du Musik gezielt zum Schreiben einsetzen?

Musik als Inspiration

Manchmal trifft Musik im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Ton. Ohne dass es dir bewusst wirst, gleitest du in einen Tagtraum. Du erlebst Szenen aus der Vergangenheit noch einmal, träumst dich in die Zukunft oder folgst dem Pfad deiner Fantasie.

Gerade wenn du auf der Suche nach einer Idee bist, kann dir Musik dabei helfen. Was hörst du gerne? Was macht dir Spaß? Welche Bilder siehst du, wenn du Musik hörst? Welches dieser Bilder lohnt sich, zu einer Geschichte ausgebaut zu werden?

Musik für deine Figuren

Wenn eine Story rund werden soll, gehören dazu ausgearbeitete Charaktere. Sie haben Vorlieben, stören sich z.B. am Klavierspiel des Nachbarn, unternehmen lange Spaziergänge. Welche Art von Musik passt zu welchem Charakter?

Spiele mögliche Songs und versuche dir die Figur vorzustellen. Was macht er oder sie? In welcher Stimmung befindet sie sich häufig? Passt ein schneller Rhythmus zum Lebensgefühl? Was hört sie, wenn sie sich zurückzieht? Oder sich voller Tatkraft für ihr Ziel einsetzt?

Je facettenreicher deine Figur wird, desto abwechslungsreicher wird dein auf sie zugeschnittener Soundtrack.

Musik als Stimmungsmacher

Manchmal fehlt der passende Einstieg in eine Szene oder dein Autoren-Ich weigert sich, die Stimmung zu wechseln. Für diesen Fall lohnt es sich, eine Musiksammlung für die jeweilige Stimmung anzulegen, also z.B. positiv inspirierend, beruhigend, melancholisch, kämpferisch, abwechslungsreich.

Doch so viel Spaß es macht, in die Musikwelt einzutauchen – setzt dir beim Suchen bzw. der Auswahl ein Zeitlimit! Sonst hangelst du dich von einem Song zum anderen und wanderst von deiner Story zum letzten Urlaub oder auch auf musikalischem Weg zurück zur Schulzeit.

Sei konsequent! Wenn sich das richtige Schreibgefühl nicht einstellen will, versuche es ohne Musik. Eventuell liegt es am Text, der noch nicht eindeutig in eine Richtung weist. Arbeite daran, schreibe ein paar Sätze. Später fällt es dir vielleicht einfacher.

Die Titelmusik – das Thema

Die Musik für das Thema deines Schreibprojektes zeichnet sich durch Entwicklung aus. Es startet z.B. seicht und unauffällig, legt an Tempo zu, hat einen Höhepunkt und läuft wieder aus.

In diesem Fall ist tatsächlich die Titelmusik zu einem Film geeignet, aber es gibt auch Musikgruppen, die sich darauf spezialisiert haben, Musik für Werbefilme oder Youtube-Videos zu liefern.

Während der Arbeit an der Rohfassung ist die Titelmusik nicht zwingend notwendig. Bei der Überarbeitung kann dir das Thema allerdings dabei helfen, dir die Story als großes Ganzes vor Augen zu halten.
Hast du den Aufbau schlüssig gestaltet? Könntest du mit der Musik als Untermalung durch die Tiefen, Höhen und schließlich zum Ende deiner Story führen?

Die Titelmusik kann dein gedanklicher Trailer sein. Deine Motivation, die Story so zu überarbeiten, dass der Leser die Reise erlebt, die in geraffter Form vor deinem inneren Auge abläuft. Mit dem Titelsong kannst du den Sektkorken knallen lassen, denn er bedeutet zumindest gedanklich den Abschluss deiner Schreibidee. Aber vergiss vor lauter Euphorie das Überarbeiten bzw. weiterschreiben nicht! 😉

Sie spielen unser Lied

Wenn du Glück hast, findest du den einen Song für eine deiner Figuren. Ein Lied, dass dich sofort zu deiner Figur transportiert, egal was du gerade tust. Du siehst ihr ins Gesicht, weißt, wie sie sich fühlt und mit welchen inneren Dämonen sie kämpft. Ihre Energie steckt dich an und lädt dich ein, ihre Geschichte zu erzählen.

Wenn du diesen einen Song findest, dann halt ihn fest! Er kann der rote Faden durch deine Geschichte sein. Wenn du merkst, du schweifst ab, spiel ihn und konzentriere dich auf das Lebensgefühl der Figur. Gestalte sie so lebensecht, dass du Gefühl hast, du würdest sie schon lange kennen.

Dein Leser wird diese Melodie aus deiner Geschichte herauslesen, die Begeisterung, die Tiefe der Figur.

Leider sind diese Songs selten planbar. Du triffst eher durch Zufall auf das eine Lied, das deine Figur am besten beschreibt. Im Idealfall war ein Song die Inspiration für den Charakter.

Falls du kein Musikstück findest, das deine Figur als Ganzes beschreibt, dann sei nicht entmutigt. Vielleicht ist es nur zu früh, weil du weiter an der Figur und der Handlung arbeiten musst.
Wenn du Musik liebst, wird dich der richtige Song früher oder später finden. Und du erkennst deine Figur in einem Musikstück wieder, dass dir vorher nicht aufgefallen ist.

Ein Musikstück, das zum Charakter deiner Hauptfigur passt, hilft dir dabei, dich bei der Ausarbeitung auf die Figur zu konzentrieren.

Ist jede Musik zum Schreiben geeignet?

Grundsätzlich ja. Du entscheidest, was dich motiviert und am besten auf dein Schreibprojekt fokussiert. Wenn du allerdings mehr als nur ein paar Sätze mit Musikbegleitung schreiben möchtest, solltest du Musik auswählen, die die Stimmung, die Handlung oder die Figur unterstreicht und dabei so unauffällig ist, dass du sie kaum wahrnimmst.

Musik mit wenig oder gar keinem Gesang ist am besten geeignet, um dich bei deinem Schreibprojekt zu unterstützen. Die Stücke sollten nicht zu kurz sein, damit du nicht von einem Stil zum nächsten hüpfen musst, sondern dich ganz auf das Schreiben konzentrieren kann.

Filmmusik ist für Einsteiger häufig die erste Wahl, aber oft finden sich auf Soundtracks nur wenige Musikstücke, die über die ausreichende Länge verfügen bzw. eine Stimmung halten. Oft wechselt die Stimmung rasant und als Autor hast du Probleme, der Geschwindigkeit der laufenden Bilder mit Schreiben zu folgen.

Wenn du dich mehr mit dem Thema Musik zum Schreiben beschäftigst, wirst du sicherlich schnell deine persönlichen Favoriten finden. Besonders zu empfehlen sind in diesem Fall Online-Musiksammlungen, bei denen bereits Musik für bestimmte Stimmungen oder Genre zusammengestellt sind.

Falls du keinen Online-Zugang hast, orientiere dich an entsprechenden Samplern, die es für alle Musikrichtungen gibt. Du wirst schnell Vorlieben entwickeln und kannst dir so deine Musiksammlung zum Schreiben aufbauen. Frag auch deine Freunde, vielleicht können sie dir CD’s zur Verfügung stellen oder dir Tipps zu passenden Künstlern geben.

Den passenden Soundtrack zum Schreiben zu finden klingt einfach, aber es kostet Zeit, die sich allerdings später beim Schreiben auszahlen kann – vor allem, wenn es mal nicht so rund läuft.

Der Einstieg in die Musik zum Schreiben

Um dir den Einstieg zu vereinfachen, haben wir auf Spotify eine Playlist mit geeigneten Tracks zusammengestellt. Wir haben versucht, eine Basis für deinen persönlichen Soundtrack zu finden, d.h. die Musik ist für unterschiedliche Stimmungen und Genre geeignet.

Spezielle Themen wie z.B. Horror, Science Fiction, Mittelalter etc. haben wir bewusst ausgelassen, denn dazu gibt es bereits viele Playlists oder auch CD-Sampler.

Unsere Auswahl soll dir helfen, die Künstler zu finden, die dich beim alltäglichen Schreiben unterstützen können. Einige kennst du vielleicht aus dem Bereich Filmmusik.

Die Playlist findest du auf Spotify unter dem Titel: Musik zum Schreiben instrumental bzw. durch einen Klick auf den Play-Button oder das Spotify-Bild weiter unten.

Falls du nicht auf die Playlist zugreifen kannst, hier eine kleine Auswahl geeigneter Musiker oder Gruppen:

  • Clint Mansell
  • Hans Zimmer
  • Immediate & Evolving Sound (für Themes)
  • Johann Johannson
  • Ludovico Einaudi
  • Max Richter
  • Olafur Arnalds
  • Schiller
  • Yann Tiersen

Falls du Anregungen hast oder zu unserer Liste beitragen willst (ob hier im Beitrag oder bei der Playlist), melde dich. Wir sind offen gegenüber Vorschlägen und werden die Playlist regelmäßig updaten.

Für alle, die noch keinen Soundtrack zum Schreiben haben, haben wir geeignete Musikstücke in einer Spotify-Playlist gesammelt. Klickt einfach auf das Bild und ihr werdet weitergeleitet.

Ausklang

Musik ist genau wie das Schreiben einer Mode unterworfen. Welche Musik passt oder auch nicht liegt einzig bei dir.

Lass dich von der Kreativität eines Musikers oder einer Gruppe anstecken. Schöpfe Energie aus dieser Verbindung. Lass den Alltag los und schicke deine Fantasie, deine Vorstellungskraft auf eine Reise.

Aber nutze die Musik nicht zur Flucht. Setzte sie bewusst als Werkzeug in deinem Schreibprozess ein. Gestatte ihr, dich über schwierige Schwellen zu tragen, um dich dann unauffällig zu begleiten.

Viel Erfolg!

Bildnachweis:
Foto 2 (Plattenspieler) – Canva. com
alle anderen Fotos – Britta Elling

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